Bunt und fröhlich: Papageienkuchen

Da kommt der Sohnemann doch letzte Woche von der Schule heim, erwartungsvoll einen kleinen Zettel in der Hand. „Das hat mir meine Lehrerin gegeben. Den backen wir jetzt, ok?“ Belustigt lese ich den kleinen Zettel in seiner Hand. Ein Rezept für einen Papageienkuchen. Allein beim Gedanken, was in so einem Kuchen drin sein könnte, stehen mir die Haare zu Berge. Vermutlich Lebensmittelfarbe in allen möglichen und unmöglichen Farben. Aber weit gefehlt.

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Der bunte Kuchen, der sich sowohl in einer quadratischen Backform wie einem klassischen Gugelhupf backen lässt, setzt auf Wackelpudding in der Variante Waldmeister, rote Grütze, echten Kakao und Vanillesoße. Herauskommt ein Kuchen, der vielleicht ein paar Nuancen weniger knallig ist als wenn er mit Lebensmittelfarbe gebacken wäre. Vorteil: Die einzelnen Kuchenstücke schmecken wirklich alle anders, was den Kuchen interessanter macht. Für einen Backnachmittag mit Kindern, einen Geburtstagsparty oder ein Mitbringsel für die Schule ist dieser Kuchen perfekt.

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Süße Brownie-Happen

Am Ende jedes Schuljahres häufen sich genauso wie im Winter diverse Schul- und Sportfeiern der Kinder. Dann werden Salate, Dips und Kuchen angefragt, um in jedem Fall am Ende viel zu viel zu haben und zwei Drittel wieder mit nach Hause nehmen zu können. Ich trau mich schon nicht mehr auf die Waage😉.

Beliebt sind ja Muffins für alles und jeden Zweck. Ich bin eher der Meinung: Muffins haben sich so langsam aber sicher überholt. Deswegen habe ich mir etwas Neues überlegt, was bis jetzt super bei Groß und Klein angekommen ist. Ich habe die kleinen Küchlein einfach Brownie-Happen getauft.
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Was man braucht? Brownies, einen flach gebackenen Schokoladenkuchen, frische Himbeeren, Zahnstocher und ein bisschen Puderzucker. Ich habe für die Herstellung des Kuchens eines meiner Lieblingsrezepte genommen. Das findet Ihr hier im Blog unter folgendem Link: http://bit.ly/Tarte_au_Chocolat.  Wichtig ist, das Ihr den Kuchen in einer quadratischen Form oder auf dem Backblech backt und vollständig abkühlen lasst. Dann einfach den Kuchen in kleine quadratische Stücke schneiden, eine Himbeere draufsetzen und mit einem Zahnstocher befestigen. Ganz zum Schluss siebt Ihr ein wenig Puderzucker über das Ganze und fertig ist das Mitbringsel.

Übrigens: Wenn man es ganz einfach machen möchte, lässt sich auch die Variante ohne Backen mit Marschmellows machen. In diesem Sine. Ich wünsche Euch ein wunderbares Wochenende mit viel Sonne.

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Zur falschen Zeit am falschen Ort…

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Ich muss gerade mal meinem Ärger Luft machen. Ich war gerade beim Edeka in unserem Ort an der Fleischwarentheke. Kurz für den Sohnemann was zu beißen besorgen. Wer es kennt: Man zieht eine Nummer und wartet bis man dran ist. Ich hatte die Nummer 87. Es war recht voll an der Theke: Handwerker in der Mittagsschicht, recht viele Senioren, ein paar Mütter. Ich bin dann dran und von rechts beginnt eine ältere Dame, Ihre Bestellung aufzugeben. Ich: „Sorry, ich habe die Nummer 87“ und winke freundlich mit dem Zettel. Die Seniorin in einem total abschätzenden Ton und vor versammelter Mannschaft so laut, dass es alle mitbekommen: „Ach ja, Gott. Sie sind so winzig, man kann Sie ja gar nicht sehen. Ich habe die Nummer 88…Dann machen Sie halt schnell!“

Ich kriege vor Wut keine Luft, mir schießen die Tränen in die Augen und ich denke: „Nee, den Gefallen tust Du ihr nicht!“, beginne zu bestellen, versuche die Frau auszublenden, die unverhohlen mit ihrem Mann anfängt zu diskutieren, dass sie ja wohl jedes Recht der Welt hätte, jemanden, der so winzig ist, wie ich zu übersehen. Sie schert sich keinen Dreck darum, dass ich das alles mitbekomme. Hinter mir fangen zwei Handwerker an, über die Seniorin zu tuscheln. Vor mir schaut die Verkäuferin betreten zur Seite. Glaubt aber mal ja nicht, dass einer das Herz in die Hand genommen hätte, um mich in der Situation zu unterstützen.

Eine Kleinigkeit meint Ihr? Kann sein. Es war die falsche Bemerkung an einem falschen Tag und an einem falschen Ort mit einer nicht so guten Tagesverfassung meinerseits. Und man knickt ein wie eine Blume, die von einem Kind zu hart angefasst wurde.

Aber genauso wie das, was ich heute erlebt habe, tickt Deutschland. In noch keinem anderen Land, in dem ich gelebt habe oder länger gewesen bin, habe ich solche Bemerkungen gehört und habe oberflächliche Menschen getroffen. Nicht in den Niederlanden (wo wirklich große Menschen leben), nicht in Frankreich, nicht in England und schon gar nicht in der Schweiz. Dort scheint es andere Werte zu geben als bei uns. Ich weiß nicht, woran es hier in Deutschland hadert. Aber viele Menschen bei uns haben ein Grundproblem mit anderen Menschen, die irgendwie nicht 08/15 sind. Da möchte ich mir nicht einmal vorstellen, wie es Menschen geht, die mit einem wirklichen Handicap zu kämpfen haben. Und nein, ich finde es auch nicht lustig, wenn mich alle Nase lang jemand darauf hinweist, dass meine Kinder mit 12 und 10 schon so groß sind wie ich.

Übrigens: die klassischen Prototypen, die derart ignorant sind, sind nicht die jungen Leute, nicht die Ausländer und nicht die Kinder. Es sind erstens die älteren Damen, deren Leben sich offensichtlich nur noch zwischen Zuhause und der Wursttheke bei Edeka abspielt. Und es sind zweitens die fast zwei Meter großen Kerle, die meinen, ihre Körpergröße gäbe ihnen das Recht, andere mit ihrem schwarzem Zynismus zu deckeln.

Mein Tag ist für heute gelaufen. Ich hätte an der Theke kontern sollen? Kann sein. Aber dafür bin ich einfach zu höflich und zu gut erzogen. Sorry, das musste mal raus! Danke fürs Zuhören!

 

Klein. Kleiner. Am kleinsten.

OK, Zeit heute mal für ein ernstes Thema – man kann ja schließlich nicht immer über Kuchen und Kekse schreiben (wobei, hatte ich schon erwähnt, dass ich gestern diesen großartigen Aprikosen-Lemin Curd-Bleckkuchen gebacken habe? Später dazu mehr!)

Meine geliebte Schwester mit mir in Oberhausen dieses Jahr

Meine geliebte Schwester mit mir in Oberhausen dieses Jahr

Zurück zum Thema: Da stehe ich vor einigen Wochen mit meinem Sohn an der Theke eines uns allen bekannten Schnellrestaurants. Als ich an der Reihe bin, meine Bestellung aufzugeben, grätscht ein Mann mittleren Alters vor mir rein und beginnt, zu bestellen. Ich so: „Irgendwas zum Thema „Hinten anstellen“ nicht verstanden?“ Seine dreiste Antwort: „Mein Gott, stellen Sie sich mal nicht so an. Sie sind so winzig, ich habe Sie überhaupt nicht gesehen.“ Wer mich kennt: Ich bin WIRKLICH nicht auf den Mund gefallen und ich habe IMMER das letzte Wort. Aber in dem Moment überfuhr es mich wie ein rollender Zug, mein Sohn neben mir jammerte vor Hunger und ich stand da, sprachlos…. Blöder Zufall, wie sich der Typ benimmt? Mitnichten! Eher der alltägliche Wahnsinn.

Es ist ein ernstes Thema, das mir seit vielen Jahren auf der Seele brennt: Respekt vor anderen, die ein anders sind als wir. Wie steht es eigentlich um unsere Gesellschaft und dem Umgang mit Menschen, die nicht 08/15 sind – Menschen, die mit Behinderungen leben müssen, Menschen, die im falschen Körper geboren sind, Menschen, die zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn sind? Wie viel Respekt zollen wir wirklich den Menschen um uns herum? Und ist es tatsächlich so, dass Menschen, die ein Leben abseits unseres selbst definierten Standards leben, ohne Diskriminierung und Mobbing leben dürfen? Ich selbst führe mein „kleines“ Leben abseits der Norm, auch wenn ich versuche, das für mich als normal zu betrachten. Die meisten meiner Freunde nehmen mich so, wie ich bin. Vielleicht, weil ich selbstbewusst genug bin, um es zu kompensieren; vielleicht, weil ich gelernt habe, damit umzugehen. Vielleicht musste ich erst 40 Jahre alt werden, um das Thema einmal niederzuschreiben – ich versuche es trotzdem, mit einem Augenzwinkern😉

Ich messe genau 1,49 Meter. Das ist genau 1 Zentimeter mehr als von Medizinern vor 30 Jahren diagnostiziert. Und 18 Zentimeter kleiner, als von Ärzten vor 32 Jahren diagnostiziert. Für mich brach damals meine kleine Welt zusammen – und ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Und um die Welt meiner Eltern, die sich ansehen mussten, wie ein kleines Mädchen unter ihrem Minderwuchs litt – und gemobbt wurde, war es nicht viel besser. Ein Mobbing, das so schlimm war, dass ich freiwillig ein Schuljahr wiederholte, um die Lücke wenigsten für eine Zeit ein wenig unsichtbarer zu machen, bis ich alt genug sein würde, um dem Ganzen besser begegnen zu können. Kein einfaches Unterfangen in einem Land wie Deutschland, wo es von großen Menschen nur so wimmelt. Und sich das Leben einfach nicht auf kleine Menschen eingestellt hat. Erst mein Leben mit meinem Mann – der 1,93 Meter misst – und meine Zeit in England zeigte mir, dass es sehr viel mehr kleine Menschen gibt, als ich damals dachte und machte alles ein bisschen besser.

Glücklicherweise entschieden sich meine Eltern damals gegen eine Hormonbehandlung. Sonst säße ich hier heute mit fünf Zentimetern mehr  – und müsste mit eventuellen Nebenwirkungen kämpfen. Auch das Brechen und gleichzeitige Strecken der Gliedmaßen, um einige zusätzliche Zentimeter zu erreichen, waren keine Option – zum Glück.
Rein medizinisch gesehen, gehöre ich noch nicht zu den per Definition minderwüchsigen Menschen. Ich bin ein ganz normal entwickelter Mensch, mit normal proportionierten Armen und Beinen und einem Gewicht, das dem eines Jugendlichen ähnelt – einfach eine normale Frau in Version XXS. Ich suche doppelt so lange nach geeigneter Kleidung wie meine Freundinnen, meine Hosen kaufe ich in Petite-Abteilungen im Ausland und Autos ab einer bestimmten Größe kann ich nicht vernünftig fahren, da ich nicht an die Pedale herankomme. Einmal in meinem ganzen Leben bin ich bisher einer Frau begegnet, die – obwohl sie nicht kleinwüchsig war – kleiner war als ich selbst. Und zum ersten Mal wurde mir bewusst, wie klein ich tatsächlich bin. Aber fühle ich mich auch so? Nein, die Brille durch die ich das Leben betrachte ist genauso wie die eines jeden. Und meine Freunde wären immer die gleichen. Mein Leben ist genauso glücklich oder unglücklich, wie es mit 1,80 Meter wäre. Aber manchmal wäre es einfach schön, würden die Leute mich sehen und nicht meine nicht vorhandenen Zentimeter.

„Wie ist das Wetter da unten?“ / „Sitzt du oder stehst du?“ / „Im nächsten Leben werde ich groß“… Schon mal gehört? Nicht wirklich lustig, oder? Mal abgesehen davon, dass wir Kleinen uns dauernd Sprüche anhören müssen: es ist nicht alles schlecht. Aber auch nicht alles gut. Hier ein Einblick in unsere „kleine“ Welt – und wenn Ihr das nächste Mal Menschen seht, die nicht 08/15 sind, denkt doch mal darüber nach, wie Ihr Ihnen helfen könnt anstatt sie großzügig zu belächeln.

  • Kleidung und Schuhe kaufen ist ein echtes Thema für sich. Schon einmal die Sortierung bei Tamaris und Co betrachtet? Versprochen: es lohnt sich. Während es ab Größe 37 für Frauen eine schier unbegrenzte Auswahl an Modellen gibt, kommen die Größen 35/36 eher mager daher und sind immer von jungen Mädels, die meine Größe tragen, ausverkauft. Und was die Kleidung angeht, kommt von manchen Leuten eine GANZ tolle Empfehlung: „Du könntest Geld sparen, indem du deine Klamotten in der Kinderabteilung kaufst.“ Ok, Danke….. aber ein bisschen peinlich ist das schon, oder? Und es trifft eventuell auch nicht so ganz Deinen Style. Dafür gibt’s heute die regelmäßigen Trips nach England, wo es spezielle Abteilungen für kleine Frauen gibt.
  • Schulranzen war früher – Ergobag ist heute: Mit sechs Jahren ist den meisten Kindern der Schulranzen zu groß, zu schwer, eine Last für den Rücken. Taschen wie der Ergobag fangen heute das Problem weitgehend auf. Mich fragten die Leute früher, ob ich die Tasche trage oder die Tasche mich…
  • Du bist 30 Jahre alt und fährst mit deinen Freundinnen 100 Kilometer bis zum Club deiner Wahl. Und dann stellst Du fest, dass Du deinen Ausweis vergessen hast. Der Abend endet damit, dass Ihr alle umdrehen könnt, weil der Türsteher Dir Dein tatsächliches Alter nicht abnimmt. Und alle sind sauer auf Dich!
  • Dein erster Freund fährt Motorrad und möchte nichts lieber, als Dich als Sozius mitzunehmen. Blöd ist nur, wenn man auf die Kiste nicht ohne Hilfe raufkommt… geschweige denn, selbst einen Führerschein machen zu können …
  • Mein Mann liebt Brit Pop und ein Leben ohne Konzerte mit Stehplätzen in den ersten Reihen war mal ein absolutes NoGo für ihn. Doch irgendwann begreifst du, dass es sinnlos ist, auf Konzerte mit Stehplätzen zu gehen. Und lernst, dass sich Tote Hosen, Placebo oder Ärzte auch auf Sitzplätzen genießen lassen.
  • Jetzt kommt mal etwas richtig Positives: Schon mal geflogen und sich über die mangelnde Beinfreiheit beschwert? Kein Problem, wenn man klein ist: Während sich alle anderen im Flugzeug auf ihren Sitz quetschen müssen, haben sie absolute Beinfreiheit. Das Öffnen der Stauflächen wird hingegen wieder zum Problem.
  • Toll ist auch: Alle denken immer und ständig, Du wärst jünger als Du tatsächlich bist. Ich bin mit 40 Jahren immer noch der Junge von nebenan, die jüngere Version meiner Schwester (tatsächlich bin ich die Große), auch schonmal die TOCHTER meiner Schwester… okay, jetzt wird’s albern, ist aber tatsächlich geschehen – glücklicherweise hat mich noch nie jemand für die Schwester meines Sohnes gehalten😉 Und irgendwann denkt man einfach: „Leute guckt mir doch mal ins Gesicht…“
  • Das Küchenstudio versucht Dir, eine neue Küche mit Oberschränken für dein neues Haus zu verkaufen. Du weist den Verkäufer mehrfach darauf hin, dass Du an die Schränke nicht herankommst, keine Leiter benutzen möchtest und du dir anderen Stauraum suchen wirst. Der Verkäufer weist dich lächeln darauf hin, dass sie auch behindertengerechte Oberschränke im Angebot haben und erstellt dir trotz allem einen Vorschlag mit Oberschränken. Du besucht das Einrichtungshaus nie wieder und der Verkäufer muss seine Provision auf die zigtausende teure Küche eben irgendwo anders verdienen.
  • Was ganz hilfreich ist: Du wirst ständig und permanent unterschätzt. Auf der Bank, im Job, beim Sport. Du liest in den Augen der Anderen förmlich: Ach ja, da kommt die Kleine – und dann holst DU die Keule raus und zeigst, was für ein tough Cookie du sein kannst.
  • Einkaufen ist easy? Nicht, wenn Du klein bist: Du bist in Deinem Leben schon auf mehr Regale im Supermarkt geklettert, als Du zugeben würdest. Die Beschwerde der anderen Käufer war dir sicher. Geholfen hat dir trotzdem niemand.
  • Der zehnjährige Freund deines Sohnes sortiert seine Klamotten aus, dazwischen ein ungetragenes Paar coole Converse in deiner Größe…. Als die Kinder oben in ihren Zimmern spielen, fragst du deine Freundin dezent, ob sie dir nicht die Schuhe verkaufen möchte…

OK – so viel zum Thema „Anderssein“ – ich habe mich selbst als Beispiel genommen, um nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen. Und beim nächsten Mal, wenn Ihr jemanden seht, der anders ist: Entweder normal behandeln oder denjenigen einfach ansprechen. Tut nicht weh. Versprochen!

Happy Living

In aller Ruhe: die Grande Dame am Himmel

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Manchmal liefert die Natur Knallerbilder. Am Sonntag zog bei uns in Nordhessen zum Beispiel ein bedrohliches Gewitter vom Osten her herauf. Es blitzte und donnerte, aber vom Regen blieben wir verschont. So, als wenn nichts gewesen wäre, zog das Unwetter Richtung Kassel.

Blickte man dann nach Norden, tauchte hoch am Himmel plötzlich diese Frau in den Wolken auf uns herab: edel und aristokratisch. Ich war fasziniert vom Anblick. Die Frage, die ich mir stellte, war nur: Wenn hielt sie da so liebevoll im Arm?

Vatikanbrot aus Italien: Glück aus der Rührschüssel

 

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„Vergiss nicht, dass Du Dir etwas wünschen musst!“: Mit diesen Worten drückte mir meine Freundin Anke vergangene Woche eine Dose und einen Zettel in die Hand und verschwindet gleich darauf wieder. Wünschen ist immer gut, denke ich mir. Anke weiß genau, wie sehr ich gute Gedanken im Moment vertragen kann, habe ich mich zusammen mit den Kindern doch letzte Woche durch einen fiesen Infekt geschleppt – und das im Frühjahr zur schönsten Jahreszeit.

Neugierig öffnete ich die Dose und finde darin einen blubbernden Teig. Auf dem Zettel lese ich: Rezept für ein Franziskus-Brot aus Rom. Der ursprüngliche Teig des süßen Brotes stammt aus dem Vatikan. Yeah, denke ich mir. Von dort habe ich noch gar kein Rezept für meine Kuchenweltreise. Der Kuchen MUSS etwas werden. Weiter geht es auf dem Zettel mit den Worten „Er bringt der Familie Glück und erfüllt Wünsche. Er soll aber nur einmal im Leben gebacken werden.

Dann kommt das Rezept. Bei dem Brot handelt es sich um ein Rezept, das über 5 Tage hinweg wachsen muss. Also habe ich mein Franziskusbrot gehegt und gepflegt, es weiter blubbern lassen und dann zum Schluss gebacken.

Am Ende kommt ein süßes Brot dabei heraus, das wirklich himmlisch schmeckt.

Und so geht es!

Am ersten Tag, sagen wir, es wäre ein Montag, beginnst Du mit deinem Teig. Dabei musst Du darauf achten, dass der Teig niemals in den Kühlschrank gestellt wird, sondern bei Zimmertemperatur geht. Metall mag der Teig übrigens auch nicht.

  • Montag: Gib 250 g Zucker dazu –NICHT umrühren.
  • Dienstag: Gib 230 ml kalte Milch dazu – NICHT umrühren.
  • Mittwoch: Gib 230 g Mehl dazu – NICHT umrühren
  • Donnerstag: Heute darfst Du ihn umrühren. Verwende einen Kunststoff-Löffel.
  • Freitag: Gib 250g Zucker, 250g Mehl und 250 ml Milch dazu. Rühe den Teig um und teile ihn in 4 Portionen, von denen Du 3 verschenkst.
  • Samstag: Gib 250g Mehl, 1 Pk. Backpulver, 3 Eier, 2-3 EL Vanillezucker, 200ml Öl, 1 EL gehackte Haselnüsse oder Mandeln, ½ TL Zimt und Schokoflocken zu deinem Teig.
  • Backe den Teig in einer Kastenform bei 180 Grad rund 30 – 45 Minuten.

Wer sich jetzt sagt: Super Brot, ich habe leider nur niemanden, der mir den Teig schenken wird. Ich habe im Netz mal ein wenig recherchiert. Das war gar nicht so einfach. Jetzt bin ich aber auf einen Grundteig gestoßen, mit dem Ihr den Teig ansetzen und dann bei Euren Freunden in Umlauf bringen könnt. Und der geht so:

100 g gesiebtes Mehl in eine Schüssel mit Deckel geben. 1 EL Zucker, 1 /2 Päckchen  Trockenhefe und 200 ml Wasser zugeben und alles mit einem Holzlöffel verrühren. Den Teig zwei Tage, mit verschlossenen Deckel, an einem warmen Ort stehen lassen. Den Teig ab und zu umrühren. Danach hab Ihr den Grundteig hergestellt und macht weiter wie oben beschrieben.

In diesem Sinn: Euch allen eine schöne Woche.

Graureiher: Gelassen dem Tag entgegen

Es ist April. Und wie in jedem Jahr hat sich wieder eine Kolonie von Graureihern im Lindenwäldchen in Melsungen niedergelassen, um ihre Jungtiere startklar fürs Leben zu machen. Was die Graureiher für Tiere sind, wie sie sich verhalten und was wir Menschen von ihnen lernen können. Das haben wir im Beitrag zusammengefasst.

Reiher im Profil

Graureiher im Profil. © atincsay / Fotolia

Der Tau der vergangenen Nacht liegt noch über den Feldern und Wegen. Langsam kämpfen sich die ersten Sonnenstrahlen des Morgens durch den leichten Nebel. Es ist früh am Morgen und ich bin – wie sollte es auch anders sein – mit meinem Hund Sam unterwegs. Wir laufen unsere Frühstücksrunde durch das Melsunger Lindenwäldchen. Oben angekommen, empfängt mich wie an jedem Morgen seit zwei Wochen ein ohrenbetäubendes Kreischen aus hoher Luft. Da schaut sogar unser Sam erstaunt in den Himmel.

Es ist Mitte April und wie in jedem Jahr hat sich in den alten Baumkronen des Lindenwädchens eine Kolonie von Graureihern niedergelassen, um ihre Nachkommen fit fürs Leben zu machen. Sieben bis acht Wochen dauert es, bis die Jungtiere sich selbst um sich kümmern können.

Jetzt am Morgen lassen sich die Vögel ganz gut beobachten, wie sie ihre Nester verlassen, um Futter für die Kleinen oder andere Geschenke für den heimischen Bau mitzubringen: zum Beispiel kleine Ästchen oder Blätter. Dabei sind die Reiher durchaus wählerisch und geben sich viel Mühe, ein so schönes Nest wie möglich zu gestalten. In den Baumkronen ziehen die Reiher in den alten Baumkronen pro Nest rund drei Jungtiere groß. Und offensichtlich gefällt es ihnen bei uns in Melsungen. Denn sie kommen jedes Jahr zurück.

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Jungtiere im Nest © Fotolia / doudouphotos

Immer der Sonne entgegen

So verträumt wie sich unsere Wälder in der Region zeigen, so gut passen die Graureiher hierher. Denn im Laufe von Jahrhunderten sind sie zu festen Bestandteilen in Legenden und Mythen geworden. Seeleute waren sich zum Beispiel sicher, dass die Vögel nicht nur Stürme, sondern auch deren Richtung vorhersagen konnten. Und auch in den Sagen aus dem alten Ägypten hatten die Reiher eine besondere Bedeutung. Sonnenvögel nannte man sie, da sie sich mit dem Aufgehen der Sonne erhoben und in den Himmel stießen. So wie heute Morgen.

Majestätisch und voller Ruhe

Der Graureiher, den wir auch unter dem Namen Fischreiher kennen, ist Teil der Ordnung der Schreitvögel – wie übrigens auch seine naher Verwandter der Storch. Dabei ist wirklich alles an ihm schlank und grazil. Mit fast 80 Zentimetern Höhe hat der Reiher eine elegante schlanke Gestalt, einen schön geformten Hals und einen noch längeren Schnabel. Doch so schön er aussieht: er kommt mit scharfen Ecken daher, um seine oft glitschige Beute gut festhalten zu können. Und auch wenn er hoch in die Lüfte steigt,  wirkt sein Flügelschlag grazil und gleichzeitig voller Kraft.

Und auch sein Gefieder trägt dazu bei, dass der Graureiher vornehm daherkommt. Der schwarze Reif über seinen Augen wirkt wie ein toll gestylter Augenbrauenstrich. Und die hellen Federn und grauen Flügel geben ihm seinen typischen Namen.

Übrigens, wer einen Graureher beobachten will: Man kann ihn gut von den typischen Kranichen oder Störchen unterscheiden. Im Gegensatz zu ihnen drückt er seinen Kopf im Flug leicht nach hinten und bringt seinen Hals in eine S-Form. Störche dagegen behalten einen geraden Hals im Flug.

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Graureiher im Anflug © Fotolia/ Maciej Olszewski

In der Ruhe liegt die Kraft

Wenn es bei uns Menschen, um die Vermeidung von Stress im Alltag geht: einfach mal dem Graureiher zuschauen. Denn der hat wirklich die Ruhe weg. Sowohl in den hohen Lüften des Himmels als auch in majestätischer Ruhe in der Nähe von Wiesen oder flachen Gewässern, wirkt er würdevoll und stoisch. Der Schnabel zeigt genauso wie seine Augen mit der gelben Iris auf einen Punkt hin. Voll konzentriert auf die nächste Beute. Und bis er die im Schnabel hat, kann viel Zeit vergehen. Der Graureiher wirkt, als ob er am Boden angenagelt wäre. Und als ob ihm  die Hektik unseres Alltags nichts anhaben könnte. Und irgendwann, dann hat er auch seine Beute im Visier – und dann gibt es kein Entkommen, wenn er sich in die Luft erhebt, um sie dann zielsicher mit dem Schnabel aufzuspießen.

Für die Reiher ist unser Lebensraum an der Fulda mit seinen Teichen, Wiesen und naturnahen Bereichen ein optimaler Futterplatz. Und so ist es nicht überraschend, dass sie hier – zumindest temporär im Jahr – einen Ort zum Leben gefunden haben. Sie ernähren sich von Fröschen, Fischen, Mäusen oder Molchen. Nachdem die Reiher übrigens eine Zeitlang in Deutschland ausgestorben waren, sind heute bessere Zeiten für die Vögel angetreten. Untersuchungen gehen davon, dass sich in Europa rund 300.000 Brutpaare befinden, alleine in Hessen davon rund 1.000 Paare. Bis zu drei Jahrzehnte können uns die Reiher begleiten, bevor sie aus Altersgründen sterben.

Die Sterblichkeit bei den Jungtieren ist übrigens recht hoch. Rund 75 Prozent der Tiere sterben in den ersten zwei Lebensjahren, zum Beispiel durch andere Tiere wie Füchse oder andere größere Flugtiere. Und auch die Jungtiere im Melsunger Wald hat es im letzten Jahr bei einem heftigen Gewitter erwischt. Ein kleiner Orkan traf die Tiere, die noch nicht fliegen konnten, mit voller Wucht und schleuderte sie aus ihren Nestern. Am Morgen danach fand man sie tot im Wald.

Ich wünsche mir, dass den Reihern in diesem Jahr eine bessere Saison bevorsteht.

Mein Tipp: Einfach mal morgens ins Lindenwäldchen, sich auf einen der Steine an der Freilichtbühne niederlassen und den Kopf in den Nacken legen. Vielleicht lässt sich etwas von der Ruhe der Reiher auf uns hektische Geister übertragen. In diesem Sinne: Habt einen guten Start in die Woche.